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Bericht der BNN, Ausgabe Nr.252, vom 31. Oktober 2000, von Claudia Nehm
Diskussionsveranstaltung der Kreishandwerkerschaft Karlsruhe:
Meisterbrief wohl auch künftig unantastbar CDU-Politiker forderten ein
höheres Maß an Flexibiltät statt starrer Gesetze
Der Meisterbrief muss erhalten bleiben: In diesem Punkt waren sich SPD-,
CDU-Politiker und Handwerker einig. Bis sich die Teilnehmer der
Diskussionsveranstaltung der Kreishandwerkerschaft Region Karlsruhe dessen bewußt
wurden, gab es allerdings noch eine Reihe von Missverständnissen zu klären.
Kreishandwerksmeister Friedrich Hoffmann und sein Stellvertreter Gerhard Feldmann
hatten aus Kreisen der SPD Gerüchte gehört, dass die Zahl der Meisterberufe von 96
auf 30 reduziert werden soll. "Wir haben den Eindruck, dass das Handwerk durch die
Politik massiv ausgehöhlt wird. Wenn sich das Handwerk nicht mehr entwickeln kann,
kommt das einer Abschaffung gleich", erklärte Hoffmann.
SPD-Bundestagsabgeordnete Brigitte Wimmer gab Entwarnung: "Innerhalb
unserer Fraktion gibt es für diese Reduzierung keine Mehrheit." Was die SPD anstrebe,
sei nur eine europafeste Handwerksordnung. Da das Interesse am Meisterbrief
zurückgegangen sei, sollten gewisse Modalitäten vereinfacht werden.
"Es ist irrwitzig an einem System zu rütteln, das eine echte
Errungenschaft darstellt", sagte CDU-Landtagsabgeordnete Ingrid Blank und ihr
Parteifreund MdB Klaus Bühler erkärte: "Der Meisterbrief als Befähigungsnachweis ist
unantastbar." Die siebenjährige Ausbildung und das Wissen im pädagogischen,
fachlichen wie auch betriebswirtschaftlichen Bereich seien durch nichts zu ersetzen.
"Wir sind auf diesem Gebiet empfindsam ohne empfindlich zu sein," sagte Joachim
Wohlfeil, Präsident der Handerkskammer Karlsruhe. "Momentan stehen 60.000 Meistern
im Jahr 250.000 Betriebe gegenüber. Wenn wir die Zahlen betrachten, müssen wir eine
Lösung finden." Die Frage, ob sich auch in Deutschland Gesellen selbständig machen
können sei noch nicht geklärt.
Heftige Diskussionen zwischen den Parteien entbrannte bei den Themen
Steuerreform und Recht auf Teilzeit. Ingrid Blank erhob den Vorwurf, die neue
Regierung bevorzuge steuerlich massiv die Kapitalgesellschaften. Insgesamt sei
Flexibilität statt Regulierung gefragt. Die Neuregeleung der 630-DM-Jobs hätte das
Handwerk zahlreiche Arbeitskräfte gekostet, erklärten die anwesenden Meister und die
gesamte Reform sei derart kompliziert, dass selbst Steuerberater Probleme hätten,
sie zu durchschauen. SPD-Bundestagsabgeordneter Jörg Tauss verteidigte die Inhalte,
gab aber zu, das eine Vereinfachung erstrebenswert sei.
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