|
Presse
Bericht der BNN, 27.09.2001, von Claudia Nehm
Die Auftragsvergabe an örtliche Handwerker wurde im Gemeinderat nochmals diskutiert
"Angebote müssen eingehender geprüft werden"
Gut und billig ist nicht immer dasselbe. Die Auftragsvergabe an den preisgünstigsten Anbieter erregt
derzeit die Gemüter der Karlsruher Handwerker. Die Kreis- handwerkerschaft beklagt sich massiv gegen die
Vergabepraxis bei öffentlichen Aufträgen. Die SPD-Stadträte Dr. Heinrich Maul, Hans Pfalzgraf
und Annelie Weber und die SPD-Gemeinderatsfraktion haben darum die Auftragsvergaben an das örtliche
Handwerk zum Thema eines Antrags im Gemeinderat gemacht. Fraktions- übergreifende Übereinstimmung
war die Reaktion auf den Antrag. Ein Hearing schlug das Bürgermeisteramt vor. "Auch wir werden uns
Gesprächen nicht verschließen", erklärte CDU-Stadtrat Bernhard Weick. "Es ist unsere Aufgabe,
dem Handwerk den Boden zu bereiten, um Arbeits- und Ausbildungsplätze zu erhalten." Weick schlug einen
Vergleich mit der Vergabepraxis in anderen Städten vor und bat darum, die Handwerkskammer zum Gespräch
dazuzubitten.
Alle müssten an einem Strick ziehen, um das örtliche Handwerk zu unterstützen, sagte auch
Karl-Heinz Jooß von der FDP/Aufbruch. Wichtig sei vor allem eine Qualitätskontrolle. Viel
entscheidender als der Preis, mit dem sich ein Unternehmen bewirbt, sei doch die Frage, ob der Endpreis damit
überhaupt noch übereinstimmt. Der Fraktionsvorsitzende der Karlsruher Liste (KAL), Lüppo Cramer,
sprach sich für einen Runden Tisch anstelle eines Hearings aus. "Der Rahmen eines Hearings ist zu
groß, die wirklichen Probleme bleiben da auf der Strecke." In jedem Fall müsse man aber verhindern,
dass Rathaus und Handwerkerschaft zu Gegner werden.
Über Hearing wie Runden Tisch haben sich zwei Handwerker bereits am vergangenen Samstag in Leserbriefen
lustig gemacht. Es gebe bereits mehrere Runde Tische. Aus einem Hearing heraus seien bereits vor drei Jahren
ein Koordinierungskreis Baudezernat/Bauvergabe als Runder Tisch zwischen Baubürgermeisterin Heinke Salisch
(SPD) und allen Amtsleitern und Vertretern des Handwerks gebildet worden. Karlsruhe habe bald den vermutlich
rundesten Tisch der Welt, aber vielleicht keinen bürgerlichen Konsens mehr.
Christa Caspari (Grüne) bemühte sich im Gemeinderat, das Dilemma der Stadt hervorzuheben. "Die
Kommune ist verpflichtet, die Aufträge auszuschreiben. Der Günstigste muss genommen werden." Ihrer
Meinung nach sollte man sich aber trotzdem verstärkt die Frage stellen: "Kann das Unternehmen mit dem
billigsten Angebot den Auftrag überhaupt durchführen?" Es müsse eine bessere Kontrolle der
Firmen und ihrer Angebote geben. Wenn alles überprüft ist, sei allerdings eine Bevorzugung der
örtlichen Handwerker nicht mehr möglich. Erster Bürgermeister Siegfried König versprach,
die Vergabepraxis, in Gesprächen mit der Kreis- handwerkerschaft und der Handwerkskammer nochmals zu
diskutieren.
|