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Presse
Bericht der BNN, 06.10.2001 von Rupert Hustede
Salisch sieht auch in der Fächerstadt schwarze Schafe am Bau
Stadt hofft auf völlige Tariftreue
Der Kanzler hat gesprochen. Doch ein entsprechendes Gesetz samt kostenträchtigem Aufwand zu seiner
Durchsetzung ist in weiter Ferne. Unter dem Beifall der Gewerkschafter hat Gerhard Schröder bei der
IG Bau versprochen: öffentliche Bauaufträge sollen künftig nur noch an Unternehmen vergeben
werden, die den örtlichen Tariflohn zahlen. "Schön wär’s", sagt Baudezernentin Heinke Salisch;
denn "dieser Ansatz ist richtig". Letztlich würden davon nicht nur die Baufirmen und Handwerker, die
ihre Angestellten ordentlich bezahlen, profitieren, sondern auch die Stadt und somit die Bürger.
Indessen räumt die Baubürgermeisterin ein, dass der Vorstoß ihres Spitzengenossen noch keine
klare Perspektive für das Greifen einer Neuregelung durch den Gesetzgeber bietet. "Vernünftig ist
dies auch nur bei entsprechender Kontrolle, das Papier allein reicht nicht", unterstreicht Heinke Salisch.
"Ich gehe davon aus, dass auch bei öffentlichen Bauten in Karlsruhe heute nicht immer Tariflöhne
gezahlt werden", erklärt sie. Allerdings sei dies für den Auftraggeber, die Stadt, nur schwer
durchschaubar. Mit Lohndumping im harten Wettbewerb um die öffentlichen Aufträge gruben sich die
Firmen gegenseitig das Wasser ab. Dies habe nicht nur für die Unternehmen sondern besonders für
deren Angestellten mit Niedriglohnbezahlung fatale Folgen. "Die Leute tun mir leid, die für Billigstlohn
arbeiten; das ist nicht tolerierbar", meint Salisch. Schließlich seien so die Arbeitsplätze bedroht,
vor allem bei Firmen, die sich an die Tarife halten. Dabei seien den Bauämtern der Stadt und dem
Gemeinderat bei den Vergabeentscheidungen für die ausgeschriebenen Aufträge die Hände gebunden.
So ist es der Kommune vorgeschrieben, "den preisgünstigsten Bieter" zu beauftragen. Zwar seien dessen
Bonität und die Auskömmlichkeit des Angebots zu prüfen, aber die Tariftreue könne man
nicht erkunden. "Ganz schlimm kann es mit Subunternehmen werden", die sich gar nicht am ortsüblichen
Tarif orientieren. Dabei müssen sich schon heute die beauftragten Firmen laut Salisch per Vertragsklausel
verpflichten, mit eigenen, Kräften zu arbeiten. Immerhin habe die Europäische Union mit ihrer
Entsenderichtlinie schon den ortsüblichen Tarif vorgeschrieben. Folglich sei es an der Zeit, dass des
Kanzlers Wort in nationales Recht münde. Wenn die ordentlich zahlenden Betriebe entsprechend mit mehr
öffentlichen Aufträgen belohnt würden, sieht Salisch "unter dem Strich keine enorme
Preissteigerung und damit drastische Folge für den Stadthaushalt kommen".
Auch die Gemeinderatsfraktion der Grünen begrüßt die Pläne der Regierung zur Kopplung
öffentlicher Aufträge an Tariftreue. Dies sei eine alte Forderung von ihnen, meint Stadtrat Klaus
Stapf. Lokale und regionale Handwerker und Mittelständler könnten als Gewinner einer Neuregelung
hervorgehen, da sie sich an die Tarifbestimmungen hielten. Auch "soziale und demokratische Kriterien" seien
zu berücksichtigen. Die praktizierte Vergabe nach dem Preis-Leistungs-Prinzip werde damit nicht
ausgehebelt.
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