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Das Archiv der Kreishandwerkerschaft
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Presse
Bericht der BNN, 24.07.2002
Handwerker und acht Politiker diskutierten Rahmenbedingungen und Zukunftsperspektiven
Ist "Praktikum für Abgeordnete" ein Weg?
Die Themen reichten von Schwarzarbeit bis zum Krankengeld
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mjo. Die wirtschaftliche Schieflage, die hohen Steuer- forderungen, die Lohnnebenkosten, die schlechte
Zahlungsmoral von Kunden, die dünne Eigen- kapitaldecke: Das alles macht Handwerksbetriebe insolvent.
Rümpft dann noch die Bank die Nase, dann ist der Konkurs perfekt. Dieses Schicksal trifft zunehmend
mehr kleine und mittlere Betriebe. "Für das Handwerk ist es fünf vor zwölf" hieß es drum am Montagabend
in der Bildungsakademie der Hand- werkskammer. Kreishandwerkerschaft und Hand- werkskammer hatten Politiker
aus dem Stadt- und Landkreis zur Diskussionen mit führenden Ehren- amtsträgern eingeladen. Und diese
wollten wissen: "Warum sollen wir Sie wählen?"
"Wir erwarten steuerpolitische Signale für den Mittelstand", betonte Kreishandwerksmeister Friedrich
Hoffmann. "Das Handwerk muss am Leben bleiben", so Kammerpräsident Joachim Wohlfeil. In den drei
Diskussionsstunden kam viel auf den Tisch: Auch der Kündigungsschutz, der Niedriglohnsektor, die
"uner- trägliche Bürokratie", die viel Energie und Geld kostet. Laut Gerd Lutz, Hauptgeschäftsführer der
Kammer und Moderator des Abends, berappt der bürokratische Aufwand die Betriebe im Schnitt um 14 000
Euro jährlich.
Acht Politiker standen den Handwerkern Rede und Antwort. Was am Ende Ursula Weber, Vorsitzende der
Unternehmerfrauen Karlsruhe, zur Einsicht brachte. "Vom Handwerk haben Sie keine Ahnung. Handwerk ist
nicht mit dem Mittelstand mir über 50 Mitarbeitern zu vergleichen." Jörg Tauss, SPD Mitglied des
Bundestages Karlsruhe-Land, nahm den Handschuh auf: "Ich komme gerne eine Woche in einen Handwerksbetrieb,
um zu lernen." "Ein Praktikum für Politiker im Handwerk", die Idee fand Kreishand- werksmeister Hoffmann
spontan hervorragend.
Thema Schwarzarbeit: Die Innungsobermeister protestierten heftig, als Brigitte Wimmer,
SPD-Bundestagsabgeordnete Karlsruhe-Stadt, das Problem ausschließlich an der am Bau üblichen Struktur
mit Subunternehmern festmachen wollte. "Illegale Beschäftigung und Schwarzarbeit sind zwei Paar Schuhe",
hieß es. In der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Handwerkerrechnungen sieht Ingo Wellenreuther,
CDU-Bundestagskandidat Karlsruhe-Stadt, einen sehr guten Ansatz, um Schwarzarbeit zu reduzieren. Im
Übrigen befürwortet er "begleitende Kontrolle".
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Junge Leute können ein Haus nur noch mit sehr viel Eigenleistung finanzieren, beschrieb Roswitha Bernhard,
Vorsitzende der Unternehmerfrauen Bruchsal, die raue Wirklichkeit. Von anderer Seite hieß es: "Ein
Geselle muss vier Stunden arbeiten, um selbst eine Handwerkerstunde bezahlen zu können. Das kann so
nicht weitergehen." Darin zeige sich die Schieflage ganz offensichtlich. Dass die Situation der
persönlich geführten Handwerksbetriebe sich drastisch verschlechtert hat, dem stimmte Ullrich
Eidenmüller, FDP-Bundestagskandidat Karlsruhe-Stadt, zu. Die Wettbewerbsfähigkeit der
Personengesellschaften müsse schleunigst wieder hergestellt werden.
Auch beim Thema Renten schlugen die Wogen hoch: Olav Gutting, CDU-Bundestagskandidat Bruchsal-Schwetzingen,
stellte fest: "Die Riester-Rente war nur ein Trippelschritt in die richtige Richtung." Beim Thema
Krankengeld forderten Stimmen aus dem Auditorium eine private Haftpflicht für Freizeitsportler. Der
Eigenverantwortung müsse auf die Sprünge geholfen werden. Mehr Transparenz und vernünftige
Rechnungsstellung wurde von den Ärzten verlangt. "Sie rennen damit offene Türen ein", meinte Rainer
Schmitt, SPD-Bundestagskandidat Bruchsal-Schwetzingen. Für Ganztagesschulen machte sich die
Landtagsabgeordnete der Grünen, Renate Rastätter, stark und ihr Parteikollege, der Karlsruher Stadtrat
Klaus Stapf möchte die 325 Euro-Jobs beibehalten, aber Entbürokratisierungshilfe geben.
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