Interview mit Friedrich Hoffmann
Kreishandwerksmeister: Handwerker fühlen sich überrumpelt
Samstag/Sonntag, 14./15. Juni 2003, BNN
Kreis Karlsruhe. Die Neuregelung der Handwerksordnung wurde Ende Mai vom Bundeskabinett beschlossen.
Übernächste Woche wird sich der Bundestag mit dem Gesetzentwurf beschäftigen. Auf Unmut bei den
Handwerkern stößt vor allem die geplante Abschaffung des so genannten "Großen Befähigungsnachweis“
für bestimmte Berufe (siehe Stichwort). Ärger über die Regierungspläne regt sich auch bei den
Handwerkern im Landkreis. Darüber sprach unser Redaktionsmitglied Alexander Billmaier mit
Kreishandwerksmeister Friedrich Hoffmann.
BNN: Welche Auswirkungen wird die Neuregelung auf die Betriebe im Landkreis haben?
Hoffmann: Kurzfristig wird jeder Betrieb mit den neuen Wettbewerbern um Aufträge konkurrieren.
Langfristig wird sich der Kunde nicht darauf verlassen können, dass ein Handwerksbetrieb grundsätzlich
von einem Meister geführt wird. Meisterbetriebe mit einer qualifizierten Mannschaft werden langfristig
die Preise eines Einmannbetriebes nicht halten und demnach auch die Löhne der Flächentarifverträge
nicht zahlen können.
BNN: Welche Folgen hat der Kabinettsbeschluss für die Ausbildung?
Hoffmann: Die Ausbildungsbereitschaft wird vor allem in den Berufen nachlassen, die nicht mehr in der
Anlage A aufgeführt sind. Das duale Ausbildungssystem wird in einigen Berufen wohl sterben.
BNN: Wird sich die Qualität der hand- werklichen Leistung verändern?
Hoffmann: Dass die Qualität sich ändern wird, ist an der jährlichen Handwerkskammerstatistik der
Insolvenzen abzulesen: Die Insolvenzquote der Betriebe der Anlage A ist um 70 bis 80 Prozent geringer
als die der Betriebe ohne Meisterzwang. Der Kunde wird eine neue Qualität von Handwerkspartnern erleben.
BNN: Befürchten sie auch eine verstärkte Konkurrenz aus dem benachbarten Ausland?
Hoffmann: Der Zugang der Europäer war seit einigen Jahren bereits gegeben. Eine "Schwemme“ ist nicht
zu erwarten.
BNN: Sind Protestaktionen gegen die Regierungspläne vorgesehen?
Hoffmann: Das Handwerk wurde von den Vorschlägen überrumpelt. Der Zeitpunkt wurde sehr geschickt
gewählt: Ostern, Pfingsten und danach die Sommerferien, und keiner ist erreichbar. Es sind aber Dinge in
Planung, andere werden noch diskutiert.
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