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Das Archiv der Kreishandwerkerschaft

Pressebericht BNN, 15.05.2004
Handwerk soll mit Meisterbrief werben
Hauptversammlung der Kreishandwerker übt harsche Kritik an der Berliner Politik

"Wir haben in unserer Region bereits die Hälfte der Jugendlichen unter Vertrag", sagte Hartmut Pleier, Direktor der Agentur für Arbeit Karlsruhe. Um die Ausbildungsplätze in der Region stehe es also nicht so schlecht, das sei nicht überall so. Pleier setzte damit einen positiven Akzent unter den Reden der Jahreshauptversammlung der Kreishandwerkerschaft, die ansonsten von Skepsis, harscher Kritik an der Berliner Politik, aber auch gedämpftem Optimismus geprägt waren. Die Kreishandwerkerschaft war am Donnerstagabend zu Gast bei der Firma Schäfer in Bad Schönborn-Langenbrücken. Die Firma, vor 18 Jahren als Handwerksbetrieb gegründet, agiert heute mit 130 Mitarbeitern. Sie stellt Werkzeug- und Sondermaschinen her.

Kreishandwerksmeister Friedrich Hoffmann stellte die Licht- und Schattenseiten der neuen Handwerksordnung in den Mittelpunkt seiner Ausführungen: Immerhin blieben in Baden-Württemberg 88 Prozent der bislang meisterpflichtigen Betriebe auch in dieser Pflicht. Dieser Erfolg sei aber trügerisch: "Neben den bisher bestehenden zahlreichen Ausnahmemöglichkeiten werden nun die Ausübungsschleusen für Qualifikationen unterhalb der Meisterprüfung oder qualifikationsfreien Ausbildung weit geöffnet"! Er hoffe, dass die Kollegen in den Bereichen, in denen die neue Handwerksordnung keine Meisterpflicht mehr vorsieht, nicht resignieren. "Innungen, Berufsschulen und Meisterprüfungsausschüsse sind hier gefordert, Qualitätsmerkmale festzulegen."

Hoffmann kritisierte die von der Bundesregierung beschlossene Ausbildungsabgabe und forderte das Handwerk auf, sich aktiv einzubringen: "Die Ausbildungsleitung darf auf keinen Fall nachlassen, denn wir brauchen auch in Zukunft leistungsfähige Mitarbeiter und Betriebsnachfolger. " Dem Schloss sich der Staatssekretär im Wirtschaftministerium Horst Mehrländer, an: "Wir müssen ein Alternativmodell gegen die Zwangsmaßnahmen setzen. Sie müssen sehen, was noch auszuschöpfen geht." Zum Thema Handwerksordnung empfahl er: "Ich wurde ganz intensiv mit der Meisterbrief werben." Er forderte, die begonnenen Reformen mit einem erhöhten Tempo fortzuführen, gerade auch im Hinblick auf die Erweiterung der EU. "Die warten nicht, bis wir mit unseren Reformen durch sind."

Essenziell sei der verstärkte Kampf gegen die Schwarzarbeit, die Senkung der Lohnnebenkosten und Sozialabgaben, Vereinfachung des Steuerrechts, Einschränkung des Kündigungsschutzes. 70 Prozent der mittelständischen Betriebe wären laut einer Studie dann bereit zu Neueinstellungen.