Presse-Information 01.12.2004
Mehr Begeisterung weniger Abgaben
Halber Mehrwertsteuersatz für Handwerksarbeit gefordert
Karlsruhe (mjo). Eigentlich ist Friedrich Hoffmann, Kreishandwerksmeister der Region Karlsruhe, ein Optimist. Doch die wirtschaftliche Situation macht es ihm schwer. Die Voraussetzung für einen spürbaren Aufschwung wären ja gegeben, klagte er in der jüngsten Versammlung der Kreishandwerkerschaft, wenn doch nur die Verbraucher wieder mehr Vertrauen fassen und deutliche Nachfrageimpulse auslösen würden.
Er wiederholte daher die schon oft geäußerte Forderung des Handwerks nach einer Reduzierung der Steuer- und Abgabelast. Auch eine Halbierung des Mehrwertsteuersatzes für Handwerkerleistungen nach französischem Vorbild könnte nach seiner Auffassung die Nachfrage beispielsweise nach Wohnungs- oder Hausrenovierung beleben. Auf diese Weise könne im Übrigen auch der Nährboden für Schwarzarbeit ausgetrocknet werden.
Unterstützung für diese Forderung fand er beim SPD-Landtagsabgeordneten Günter Fischer. "Wieso ist in Deutschland nicht möglich, was in anderen europäischen Ländern gang und gäbe ist?", wollte dieser wissen. Außerdem sieht Fischer dringenden Handlungsbedarf bei Mietern mit langfristigen Mietverträgen, die ihre Wohnung grundlegend renovieren oder sanieren möchten. Die Kosten dafür müssten steuerlich abzugsfähig sein.
Mehr Begeisterung für den Beruf - und zwar vom Meister bis zum Lehrling - wünschte sich der am Dienstag in der Vollversammlung der Handwerkskammer einstimmig wiedergewählte Kammerpräsi-dent, Joachim Wohlfeil. "Freude daran haben, wie die Post abgeht", diktierte er den Obermeistern und Delegierten von 40 Innungen ins Stammbuch. Die Fähigkeit, sich richtig für den Beruf zu erwärmen, sei die Grundlage für durchgängige Leistungskultur. Und die sei existenziell wichtig, denn, so Wohlfeil: "Hinter jedem Image muss die Leistung erkennbar sein."
Auf die guten Kontakte der Kreishandwerkerschaft mit dem Wirt-schaftsförderungsausschuss der Stadt Karlsruhe ging die neue SPD-Stadträtin Elke Ernemann ein, die in Vertretung von Oberbürgermeis-ter Fenrich an der Sitzung teilnahm. Die Handwerksstrukturen in der Fächerstadt könnten sich sehen lassen, meinte sie und verwies in diesem Zusammenhang auf die Handwerkskammer. Diese wurde erst jüngst vom Institut für Demoskopie in Allensbach und von der Bertelsmann Stiftung für ihre unternehmerfreundliche Dienstleistung mit dem bundesweit ersten Preis unter den Handwerkskammern be-lohnt.
Gerhard Volz von der Agentur für Arbeit informierte die Versammlung über die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Viel Bewegung sei zu spüren. Bedenklich sei, dass die Zahl der Zugänge nach vorher-gehender Schule oder Ausbildung auf das Doppelte gegenüber dem Vorjahr angestiegen sei. Wie Volz ausführte, scheint sich die Ab-nahme der Beschäftigungen zu verlangsamen oder zu stabilisieren.
Ihren letzten Auftritt bei der Delegiertenversammlung der KH hatte die bisherige Vorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk (ufh), Ursula Weber. Ihre Nachfolgerin ist Sabine Sussmann.