|
Presse-Information 16.09.2005
Handwerker reden mit Politikern Klartext
Podiumsdiskussion mit Bundestagskandidaten aus Karlsruhe und zwei Landkreisen
Karlsruhe (mjo). "Was hat das Handwerk von der Politik zu erwarten?" Das wollten engagierte Handwerksmeister aus Karlsruhe und der Region von den Direktkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien wissen. Die Kreishandwerkerschaft Karlsruhe und die Schreinerinnung luden sie zu einer Podiumsdiskussion in der Ausstellung "Gut gestaltete Schreinerarbeiten" ins Regierungspräsidium ein. In der Runde mit neun Kandidaten von CDU, SPD, Grünen und FDP aus Karlsruhe-Stadt, Karlsruhe-Land und dem Wahlkreis Bruchsal-Schwetzingen lief die Debatte konzentriert, bisweilen emotional und gelegentlich hitzig ab. Es ging etwa ums Steuerrecht, Lohnnebenkosten, Bürokratieabbau, Ausbildung, Ein-Euro-Jobs, Schwarzarbeit oder den Meisterbrief. Moderator war Matthias Kuld, Vorsitzender des Presseclubs Karlsruhe.
Der Moderator hatte viel zu tun, um die Strukturen von Frage und Antwort deutlich zu halten. Groß war die Versuchung für die Handwerker, den Politikern ins Gesicht sagen, was sie nicht Ordnung finden. Speziell beim Thema Ausbildungsumlage gingen die Wogen hoch. "Große Betriebe, die nicht ausbilden, sollen bezahlen", rief Stefan Rebmann (SPD). Greifen solle dieses Instrument allerdings erst, wenn keine Ausbildungsplätze mehr vorrätig seien. "Bildung lässt sich doch nicht umverteilen", konterte Kreishandwerksmeister Friedrich Hoffmann. Dagegen findet Jörg Rupp (Grüne) die Ausbildungsumlage gerecht. Olav Gutting (CDU) machte sich für den Erhalt des Meisterbriefes stark. Denn dort, wo die Meisterpflicht weggefallen sei, fehlten jetzt auch Ausbildungsplätze, sagte er mit Blick auf das Fliesenlegerhandwerk.
Patrick Meinhardt (FDP) möchte vor allem die Hauptschulen stärken. Hauptschüler sollten wirklich fähig sein, eine Lehre zu beginnen. Johannes Jung (SPD) erteilte dem gegliederten Schulsystem eine klare Absage. Dieses sei vielleicht vor 30 Jahren aktuell gewesen. "Die Union wird dem Handwerk Luft zum Atmen verschaffen", versprach Ingo Wellenreuther (CDU) und sagte bürokratischem Aufwand den Kampf an. "Wir wollen Betriebe, die bis zu 20 Mitarbeiter haben, dazu ermutigen, neue Leute einzustellen, indem wir das Kündigungsschutzrecht - allerdings nur bei Neueinstellungen - lockern", ergänzte er.
Jörg Tauss (SPD) erhoffte sich einen konjunkturellen Schub davon, dass Teile von Handwerkerrechnungen künftig steuerlich geltend gemacht werden könnten. Sylvia Kotting-Uhl (Grüne) sieht im Gebäudesanierungsprogramm viel Beschäftigungspotenzial fürs Handwerk. Simone Szurmant (FDP) will die Ausbildung flexibilisieren und einen Ausbildungspass einführen. Damit hätten Lehrlinge die Möglichkeit, auch nach einem Abbruch wieder neu anzufangen.
Thema Mehrwertsteuer: Laut Olaf Gutting strebt die Union eine Erhöhung von zwei Prozentpunkten an, um die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zu senken. Damit solle Arbeit günstiger gemacht werden. Mit der Erhöhung ist die FDP nicht einverstanden, sagte Simone Szurmant. Heiß diskutiert wurden auch die Themen Ein-Euro-Job und Ich-AG. Letztere wolle die Union abschaffen, unterstrich Gutting. "Sie kosten Geld, bringen dem Handwerker Konkurrenz und schaffen keine Arbeitsplätze."
Hinweis an die Redaktion:
Sollten Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich bitte an die Kreishandwerkerschaft Karlsruhe
Geschäftsführer Engelbert Wangler
Tel. 0721-932 84-0 Fax. 0721-932 84-84 E-Mail: wangler@handwerk-region-karlsruhe.de
|